Azathioprin: Reservepräparat in der Basistherapie

Azathioprin wird innerhalb der Basistherapie eingesetzt, wenn:

 

  • eine Behandlung mit Interferon-beta und Glatirameracetat nicht möglich ist oder
  • andere Autoimmunerkrankungen zusätzlich vorliegen bzw. nicht ausgeschlossen werden können.

Das Präparat ist seit 2000 zur Behandlung der RRMS in Deutschland zugelassen. Es gehört zu den Immunsuppressiva und kommt daher häufig bei anderen Autoimmunerkrankungen zum Einsatz. Im Rahmen der Multiplen Sklerose dient Azathioprin als Reservepräparat, da keine klinischen Studien zur Zulassung herangezogen wurden, die die Qualitätsstandards moderner Therapiestudien erfüllen. Daneben weist Azathioprin potenzielle Nebenwirkungen auf, die den Einsatz begrenzen (s.u.).

Wirkweise und Anwendung

Azathioprin unterdrückt die Vermehrung von T- und B-Zellen. In mehreren kleinen Studien wurde eine moderate Schubratenreduktion nachgewiesen, allerdings sind diese Studien teils sehr heterogen, weisen methodische Einschränkungen auf und Untersuchungen weiterer objektivierbarer Parameter wie z.B. MRT fehlen.

 

Patienten nehmen Azathioprin üblicherweise oral in einer Tagesdosis von 2 bis 3mg pro kg Körpergewicht ein. Ziel ist die Reduktion der absoluten Lymphozytenzahl im Blut auf 600 bis 1000/ml. Eine Kombination mit Interferon-beta-Präparaten ist nicht sinnvoll.

Nebenwirkungen und besondere Hinweise

Aufgrund der Wirkungen auf das blutbildende System sind regelmäßige Blutbilduntersuchungen notwendig, um eine zu starke Myelosuppression zu erkennen. Auch Leber- und Nierenwerte sollten anfangs wöchentlich, nach acht Wochen mindestens monatlich überprüft werden. Da ca. 10 bis 20 Prozent der Patienten über gastrointestinale Beschwerden klagen, sollten bei entsprechender klinischer Symptomatik auch die Pankreaswerte kontrolliert werden.

 

Während der Azathioprin-Therapie sollten sowohl weibliche als auch männliche Patienten empfängnisverhütende Maßnahmen treffen, Männer auch bis zu sechs Monate nach Therapieende. In der Langzeittherapie müssen Patienten außerdem darüber aufgeklärt werden, dass es zu einer Entwicklung von Non-Hodgkin Lymphomen kommen kann.