Fumarat: Neues, orales Medikament für die Basistherapie

Dimethylfumarat (DMF) ist ein Ester der Fumarsäure und seit Februar 2014 in der EU zur MS-Basistherapie zugelassen. Patienten nehmen eine Fumarat-Kapsel à 240mg zweimal täglich ein.

Tecfidera®, so der Handelsname, wirkt auf die Immunregulation, indem Zellen des Immunsystems umprogrammiert werden. Es kommt zu einer Verschiebung des Verhältnisses von dendritischen Zellen und Interleukinen. Gleichzeitig aktiviert das Präparat ein bestimmtes Protein, den sogenannten NF-E2-related factor 2. Es sorgt für den Abbau beschädigter Eiweiße sowie Stickstoffoxid.

Wirkung und Anwendungsrisiken

Die integrierten Daten der beiden Zulassungsstudien (DEFINE, CONFIRM) belegen, dass Fumarat bei MS-Patienten die jährliche Schubrate um 49% und das Fortschreiten der Behinderungsrate um 30% reduziert. Auch die Anzahl der Läsionen im MRT verringert sich deutlich.

Insgesamt weist DMF ein gutes Nutzen-/Risiko-Profil auf. Magen-Darm-Beschwerden und Hautrötungen, die nach wenigen Behandlungswochen zurückgehen, sind die am häufigsten zu erwartenden Nebenwirkungen. Allerdings kam es durch unsachgemäßen Einsatz von Fumaderm®, dem alten Mischpräparat zur Behandlung der Schuppenflechte, unter Monotherapie zu vier Fällen von progressiver multifokaler Leukenzephalopathie (PML).
Auch unter den inzwischen mehr als 100.000 mit Tecfidera® behandelten Patienten ist im Herbst 2014 ein Fall von PML aufgetreten, der tödlich verlief. Bis November 2015 wurden drei weitere PML-Fällen bekannt. Das KKNMS empfiehlt engmaschige Blutbildkontrollen alle sechs bis acht Wochen. Damit können Leukopenien und Lymphopenien, die das Risiko für opportunistische Infektionen wie die PML erhöhen, identifiziert und so eine Gefährdung frühzeitig erkannt werden.