Diagnose MS mithilfe evozierter Potenziale untermauern

Evozierte Potenziale werden bei der MS-Diagnose gerne als zusätzliches Instrument herangezogen. Im akuten Krankheitsstadium zeigen sich bei Patienten dann verminderte Amplituden und verzögerte Laufzeiten (Latenz). In der Frühphase der MS hingegen sind evozierte Potenziale zur Prognoseabschätzung und zur Beobachtung des weiteren Krankheitsverlaufs eher ungeeignet.

VEP – Reiz des Sehnervs

Zur MS-Zusatzdiagnostik setzen Neurologen insbesondere die visuell und somatosensorisch evozierten Potenziale (VEP bzw. SEP) ein. Studien belegen, dass 42 bis 100% der MS-Patienten ein auffälliges VEP haben, oft ohne klinische Vorgeschichte einer Sehstörung. Typischerweise zeigt sich dies in einer verzögerten Antwort des P100-Reizes. Bei Patienten mit Verdacht auf MS und abnormen VEP ist das Risiko, eine klinisch sichere MS zu entwickeln, 2,5 bis 9mal höher als bei Patienten mit unauffälligem VEP.

SEP – Stimulation des Beins, der Hand oder des Gesichtsnervs

MS-typische Befunde der SEP sind Latenzverlängerungen, die mit einer mehr oder weniger ausgeprägten Amplitudenminderung einhergehen. Bei bis zu 80 Prozent der Betroffenen finden sich diese Auffälligkeiten.

In den revidierten McDonald-Kriterien (2010) werden allerdings lediglich die VEP als zusätzliches Diagnoseinstrument empfohlen.