Multiple Sklerose: Neue Empfehlungen zur Behandlung

München, 31. Januar 2018 – Eine Initiative von ECTRIMS und EAN hat im Januar eine MS-Leitlinie auf europäischem Level veröffentlicht. Zehn Leitfragen führten zu 20 Empfehlungen für die Behandlung der MS. Das Projekt wurde von Prof. Dr. Ralf Gold, Vorstandsvorsitzender des KKNMS und Leiter der Neurologischen Klinik des St. Josef-Hospitals Bochum, gemeinsam mit Prof. Dr. Xavier Montalban von der Universitätsklinik Vall d’Hebron in Barcelona koordiniert. Weitere KKNMS-Autoren waren an der Erstellung beteiligt.

„Eine Leitlinie auf europäischem Niveau ist ein Novum, das wir sehr begrüßen. Wir können so evidenzbasierte Empfehlungen für ganz Europa zur Verfügung stellen, die dafür sorgen sollen, dass sich die MS-Behandlung weiter verbessert“, so Prof. Dr. Ralf Gold, Vorstandsvorsitzender des Krankheitsbezogenen Kompetenznetzes Multiple Sklerose (KKNMS). Auch Länder, in denen es bisher keine nationalen Leitlinien gab, können nun auf diese Informationen zurückgreifen, bzw. auf deren Basis eigene länderbezogene Empfehlungen erstellen. Die Verfügbarkeit von Medikamenten sei gerade in Deutschland sehr gut, ergänzen die Koautoren Prof. Dr. Heinz Wiendl und Prof. Dr. Bernhard Hemmer, jedoch: „Die Landschaft der MS-Therapie im europäischen Raum ist sehr differenziert und es gibt sehr unterschiedliche Voraussetzungen. Daher bedeutet diese erste paneuropäische Initiative für viele Länder einen Schritt vorwärts.“

20 Empfehlungen zur Therapie der Multiplen Sklerose

27 Autoren aus 13 Nationen haben sich mit zehn Leitfragen zur MS-Behandlung auseinandergesetzt. Aus der Auswertung einer Vielzahl von Studien sind 20 Empfehlungen hervorgegangen. Die drei am stärksten bewerteten lauten:

  • Verordnung von Interferon oder Glatirameracetat bei klinisch isoliertem Syndrom (CIS) und einem pathologischen MRT, die die MS-Kriterien nicht erfüllen.
  • Angebot einer frühzeitigen Behandlung mit krankheitsmodifizierenden Medikamenten bei aktiver schubförmig remittierender MS, definiert als klinische Schübe und/oder MRT-Aktivität (aktive Läsionen, angereicherte Läsionen; neue oder zweifelsfrei vergrößerte T2-Läsionen, die mindestens einmal jährlich bewertet werden). Dies beinhaltet auch das CIS, das die aktuellen Diagnosekriterien für die MS erfüllt.
  • Patienten, die mit Interferon oder Glatirameracetat behandelt wurden und Hinweise auf eine Krankheitsaktivität zeigen, sollte ein wirksameres Arzneimittel angeboten werden.

Weitere wichtige Konsenserklärungen betreffen unter anderem die Auswahl von Medikamenten, die Überwachung des Therapieansprechens, die Behandlungssicherheit, die Umstellung von Therapien und der Umgang mit Schwangerschaften mit MS. Die ausführlichen Empfehlungen finden Sie in englischer Sprache unter den untenstehenden Links.

Deutsche Leitlinie in Arbeit

Auch für Deutschland gibt es eine MS-Leitlinie, die vom Krankheitsbezogenen Kompetenznetz erstellt wurde. Momentan werden die Richtlinien, die aus dem Jahr 2014 stammen, überarbeitet und sind voraussichtlich Ende des Jahres 2018 verfügbar.

Quellen

>> Presseartikel