Impfung und MS
Impfen vor und während einer Immuntherapie
Standard Impfungen und Impfstatus vor einer Immuntherapie
Neben den von der Ständigen Impfkommission (STIKO) generell empfohlenen Standardimpfungen (insbesondere der Varizella-Zoster-Virus-(VZV)-Lebendimpfung) sind für Patienten mit MS auch spezifische Impfungen relevant. Hierzu zählen Pneumokokken, Herpes Zoster, Hepatitis B und optional Meningokokken. Auch regional bedingte Indikationsimpfungen, wie beispielsweise FSME, sollten bedacht werden.
Der Impfstatus sollte bei jedem Patienten mit MS vor Beginn einer Immuntherapie geprüft werden. Die Patienten sollten umfassend über potentielle Infektionsrisiken sowie über die Möglichkeit schwererer Krankheitsverläufe unter neurologischer Immuntherapie ohne vorherige Impfung informiert werden, damit sie eine fundierte Entscheidung treffen können. Erforderliche Impfungen sollten frühzeitig nach der Diagnosestellung erfolgen. Dabei sollte eine akute Schubsymptomatik abgeklungen sein.
Zur Etablierung einer optimalen Impfantwort sollten Totimpfungen mindestens zwei Wochen und Lebendimpfungen mindestens vier Wochen vor Beginn einer immunsuppressiven Therapie durchgeführt werden.
Impfungen während einer Immuntherapie
Die Wirksamkeit von Impfungen während einer MS-Therapie hängt maßgeblich vom zugrundeliegenden Wirkmechanismus ab. Bei einer Behandlung mit Glatirameracetat oder Interferonpräparaten ist keine Beeinträchtigung der Impfantwort zu beobachten. Bei einer Behandlung mit Dimethylfumarat, Teriflunomid oder Natalizumab sind die Impftiter zwar reduziert, jedoch erreichen die meisten Patienten eine ausreichend protektive Impfantwort. Bei einer Behandlung mit Anti-CD20-Antikörpern, Cladribin, Alemtuzumab oder S1P-Rezeptor-Modulatoren ist von einer reduzierten Impfantwort auszugehen.
Auch während einer Immuntherapie können Impfungen mit Totimpfstoffen durchgeführt werden. Dies ist beispielsweise bei saisonal wiederkehrenden Impfungen (z. B. Influenza), regulären Auffrischungsimpfungen, nachgeholten Impfungen oder auch bei Reiseimpfungen relevant. Auch bei einer laufenden Immuntherapie besteht eine berechtigte Aussicht darauf, dass eine ausreichende Impfantwort erreicht wird. Um einen möglichst großen Impferfolg zu erreichen, sollten Impfungen unter einer Behandlung mit B-Zell-depletierenden Substanzen vier bis sechs Monate nach der letzten Gabe durchgeführt werden, da sich das Immunsystem zu diesem Zeitpunkt zumindest teilweise wieder rekonstituiert hat.
Pocketcard für Patienten: Impfung und MS
Der KKNMS e.V. gibt gemeinsam mit dem BDN und der DGN das Merkblatt „Pocketcard für Patienten: Impfung und MS“ heraus. Damit erhalten Sie stets die aktuellsten Empfehlungen und wichtigsten Informationen zum Thema Impfen vor dem Hintergrund einer MS-Erkrankung in kompakter Form. Die aktuelle Version der Pocketcard finden Sie unten auf dieser Seite. Auch die neuen Empfehlungen zur Impfstrategie bei MS von Schraad et al. (2025) bieten einen umfassenden Überblick. Auf der Seite Vac-Mac gibt es außerdem Informationen zum Thema Impfen bei Immunerkrankungen.
