Ärztinnen mit Röntgenbild des Kopfes

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06.11.2026 – Zuletzt wurde bekannt, dass die Schauspielerin Christina Applegate nach eigenen Angaben doch keine MS habe. Die Diagnose sei vor fünf Jahren gestellt worden. Der Fall hat eine öffentliche Diskussion darüber ausgelöst, wie sicher die Diagnose einer MS ist.
 
Tatsächlich zeigte eine frühere Studie aus Nordamerika, dass sich eine vorbestehende MS-Diagnose bei fast einem Fünftel der Betroffenen bei einer Überprüfung in spezialisierten MS-Zentren nicht bestätigen ließ (1). Ein Grund ist, dass es keinen einzelnen Test gibt, der eine MS sicher nachweist. Die Diagnose ergibt sich vielmehr aus mehreren Untersuchungen, und andere Erkrankungen müssen bestmöglich ausgeschlossen werden. Hinzu kommt, dass die Diagnosekriterien in den letzten Jahren mehrfach angepasst wurden, damit eine MS früher erkannt und behandelt werden kann (2). Dadurch steigt allerdings auch das Risiko von Fehldiagnosen, vor allem wenn die Kriterien nicht konsequent angewendet oder nicht alle diagnostischen Möglichkeiten genutzt werden.
 
Um die Diagnose abzusichern, empfehlen die für Deutschland gültigen Leitlinien eine hochauflösende Kernspin-tomographie (MRT) von Gehirn und Rückenmark sowie bei allen Betroffenen eine Untersuchung des Nervenwassers (Liquor) (3). Gerade die Liquoruntersuchung, die in den USA häufig nicht eingesetzt wird, kann die Diagnose bestätigen und andere mögliche Ursachen ausschließen. Bei Personen mit Vorerkrankungen, die potenziell Veränderungen im Gehirn verursachen können, wie Migräne oder Gefäßerkrankungen des Gehirns, sind für die Diagnosestellung strengere Kriterien anzuwenden, um Fehldiagnosen auszuschließen.
 
Im Verlauf der Erkrankung sollte die Diagnose kritisch überprüft werden, wenn ungewöhnliche Beschwerden oder auffällige Befunde in der Bildgebung auftreten oder wenn die Behandlung nicht ausreichend wirkt. In solchen Fällen kann eine Zweitmeinung in einem Zentrum mit besonderer Erfahrung bei MS und verwandten Erkrankungen des Nervensystems hilfreich sein.
 
Wir gehen davon aus, dass Fehldiagnosen in Deutschland sehr selten sind, wenn alle diagnostischen Möglichkeiten ausgeschöpft und die Leitlinien zur Diagnose und Therapie der Multiplen Sklerose, Neuromyelitis-optica-Spektrum-Erkrankung (NMOSD) und MOG-IgG-assoziierten Erkrankung (MOGAD) konsequent angewendet werden.
 
Federführende Autoren: Prof. Dr. med. Bernhard Hemmer, Prof. Dr. med. Achim Berthele, Prof. Dr. med. Antonios Bayas (alle drei Autoren sind aktiv an der Erstellung der deutschen Leitlinien beteiligt)
 
für den Vorstand des Ärztlichen Beirats der DMSG
Mitglieder des Vorstandes des Ärztlichen Beirats, DMSG-BV
 
Ehrenvorsitz: Prof. Dr. med. Klaus V. Toyka
Neurologische Universitätsklinik Würzburg
Vorsitzender: Prof. Dr. med. Ralf Gold
Neurologische Klinik der Ruhr-Universität Bochum am St. Josefs-Hospital
1. Stellvertretender Vorsitzender: Prof. Dr. med. Ralf Linker
Neurologische Klinik, Universität Regensburg
2. Stellvertretende Vorsitzende: Priv.-Dozentin Dr. med. Anke Salmen
Neurologische Klinik, Universitätsambulanz Klinikum Bochum
Schriftführer: Prof. Dr. med. Peter Flachenecker
Neurologisches Rehabilitationszentrum Quellenhof, Bad Wildbad
Prof. Dr. med. Judith Haas
Vorsitzende der DMSG, Bundesverband e.V.
Prof. Dr. med. Bernhard Hemmer
Direktor der Neurologischen Klinik im Klinikum rechts der Isar, TU München
Dr. med. Boris-A. Kallmann
Facharzt für Neurologie Kallmann Neurologie
Multiple Sklerose Zentrum Bamberg (MSZB)
Prof. Dr. med. Heinz Wiendl
Klinik für Neurologie und Neurophysiologie im Neurozentrum, Universitätsklinikum Freiburg
Prof. Dr. med. Frauke Zipp
Klinik und Poliklinik für Neurologie, Universität Mainz

  • (1) Kaisey M, Solomon AJ, Luu M, Giesser BS, Sicotte NL. Incidence of multiple sclerosis misdiagnosis in referrals to two academic centers. Mult Scler Relat Disord. 2019;30:51-56. doi:10.1016/j.msard.2019.01.048
  • (2) Montalban X, Lebrun-Frénay C, Oh J, Arrambide G, Moccia M, Amato MP, et al. Diagnosis of multiple sclerosis: 2024 revisions of the McDonald criteria. Lancet Neurol. 2025;24(10):850-865. doi:10.1016/S1474-4422(25)00270-4
  • (3) Hemmer B, Gehring K, et al. Diagnose und Therapie der Multiplen Sklerose, Neuromyelitis-optica-Spektrum-Erkrankung (NMOSD) und MOG-IgG-assoziierten Erkrankung (MOGAD). S2k-Leitlinie, 2026. In: Deutsche Gesellschaft für Neurologie (Hrsg.), Leitlinien für Diagnostik und Therapie in der Neurologie. AWMF-Registernummer 030-050. Online: www.dgn.org/leitlinien.

Das Krankheitsbezogene Kompetenznetz Multiple Sklerose (KKNMS) ist eines von bundesweit 21 Kompetenznetzen in der Medizin, die vom Bundesministerium für Bildung und Forschung initiiert wurden. Sie alle verfolgen das Ziel, Forscher zu spezifischen Krankheitsbildern bundesweit und interdisziplinär zu vernetzen, um einen schnellen Transfer von Forschungsergebnissen in die Praxis zu ermöglichen. Der Fokus der aktuellen KKNMS-Projekte liegt auf der langfristigen Verbesserung der MS-Diagnose, -Therapie und -Versorgung. Die Geschäftsstelle ist am Universitätsklinikum Münster angesiedelt.

Krankheitsbezogenes Kompetenznetz Multiple Sklerose
Leitung der Geschäftsstelle: Dr. Zoë Hunter
info@kkn-ms.de
www.kompetenznetz-multiplesklerose.de

Der DMSG-Bundesverband e.V., 1952/1953 als Zusammenschluss medizinischer Fachleute gegründet, vertritt die Belange Multiple Sklerose Erkrankter und organisiert deren sozialmedizinische Nachsorge.

Die Deutsche Multiple Sklerose Gesellschaft mit Bundesverband, 16 Landesverbänden und derzeit mehr als 750 örtlichen Kontaktgruppen ist eine starke Gemeinschaft von MS-Erkrankten, ihren Angehörigen, mehr als 3380 engagierten ehrenamtlichen Helfern und 220 hauptberuflichen Mitarbeitern. Insgesamt hat die DMSG 42.000 Mitglieder.

Mit ihren umfangreichen Dienstleistungen und Angeboten ist sie heute Selbsthilfe- und Fachverband zugleich, aber auch die Interessenvertretung MS-Erkrankter in Deutschland. Schirmherr des DMSG-Bundesverbandes ist Christian Wulff, Bundespräsident a.D.

Multiple Sklerose (MS) ist eine chronisch entzündliche Erkrankung des Zentralnervensystems (Gehirn und Rückenmark), die zu Störungen der Bewegungen, der Sinnesempfindungen und auch zur Beeinträchtigung von Sinnesorganen führt. In Deutschland leiden nach Zahlen des Bundesversicherungsamtes mehr als 240.000 Menschen an MS. Trotz intensiver Forschungen ist die Ursache der Krankheit nicht genau bekannt.

MS ist keine Erbkrankheit, allerdings spielt offenbar eine genetische Veranlagung eine Rolle. Zudem wird angenommen, dass Infekte in Kindheit und früher Jugend für die spätere Krankheitsentwicklung bedeutsam sind. Welche anderen Faktoren zum Auftreten der MS beitragen, ist ungewiss. Die Krankheit kann jedoch heute im Frühstadium günstig beeinflusst werden. Deutschlandweit sind schätzungsweise 280.000 Menschen an Multipler Sklerose erkrankt, weltweit etwa 2,8 Mio. Menschen.

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